Haut, Atem, Gedanke, Intuition, Freude. Fünf Schichten, eine in der anderen, wie die Jahresringe eines Baumes. Yoga nennt sie die Koshas. So sieht der Körper aus, wenn man ihn von innen betrachtet, von der Nahrung, die wir essen, bis zur stillen Glückseligkeit unter allem.
Der menschliche Körper ist ein ziemlich geheimnisvoller Ort, genau wie alles, was uns zu Menschen macht. Biologisch betrachtet ist der Körper eine physische Substanz aus lebenden und extrazellulären Stoffen, organisiert in Gewebe, Organe und Systeme. Diese biologische, empirische Sicht, beschrieben von der Medizin und unserer modernen Zeit, hat auch die Art stark beeinflusst, wie Yoga den Körper betrachtet.
Im Yoga kümmern wir uns um den physischen Körper. Doch bald merken wir, dass die beteiligten Energien uns über das rein Körperliche hinausführen. So selbstverständlich es ist, den physischen Körper als real zu betrachten, so deutlich können wir auch andere Körper oder Schichten (Kosha) spüren, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf ihre eigene Qualität richten.
Östliche Philosophien bieten viele Darstellungen davon, wie Geist und Körper funktionieren. Sie sind oft sehr ausgefeilt und zeugen von der enormen Arbeit der Innenschau, die über Jahrhunderte geleistet wurde.
Meditation, Yoga und Pranayama, die Praxis des Atems, helfen, den physischen, emotionalen und spirituellen Körper zu erforschen und ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn einer davon sich zerbrechlich anfühlt, kann eine passende Übung gewählt werden, um ihn zu stärken.
Früher sahen Yogis den Körper als Netzwerk psychophysischer Zentren wie der Chakren, verbunden durch Kanäle (Nadis), in denen die verschiedenen Atemströme (Vayu) und die Lebensenergie (Kundalini) fliessen. Heute beschreiben viele moderne Yogaschulen den Körper als fünf Hüllen, die Koshas. Sie reichen von der dichtesten Schicht, dem Körper aus Nahrung, bis zur feinsten, dem Körper der Glückseligkeit, Ananda.
Lies weiter und entdecke die Koshas und den menschlichen Körper aus yogischer Sicht.
Die Pancha Koshas
Die Koshas werden in der Taittiriya Upanishad (Kapitel 2) beschrieben, einer der wichtigsten Upanishaden, der philosophischen Texte des Hinduismus. Dort verhüllen die Koshas die Seele, den Atman. Der Atman ist mit der Erfahrung von Spiritualität und dem Ausdruck des Herzens verbunden. Er ist der individuelle Ausdruck des Geistes: der Teil von uns, der mit dem Unendlichen verbunden ist, ob wir es Gott nennen oder einfach das tiefe Prinzip des Lebens.
Die Koshas, manchmal auch Hüllen genannt, umgeben die Seele. Jede Schicht zu entdecken bringt uns dem wahren Selbst und der Einheit mit allem näher. Der physische Körper ist die äusserste Schicht, die innerste birgt den Körper der Glückseligkeit.
Es gibt fünf Schichten, daher der Name Pancha Kosha (pancha bedeutet fünf). Sie bestehen gleichzeitig, ineinander verwoben, und sich ihrer bewusst zu werden soll die Selbsterkenntnis und die Verbindung von Geist, Körper und Seele vertiefen.
Die fünf Koshas sind:
- Annamaya Kosha: die physische Hülle
- Pranamaya Kosha: die Hülle der Lebensenergie
- Manomaya Kosha: die mentale Hülle
- Vijnanamaya Kosha: die Hülle der Weisheit
- Anandamaya Kosha: der Körper der Glückseligkeit
Annamaya Kosha: die physische Hülle
Annamaya Kosha ist die erste und äusserste Schicht. Ihr Name kommt von anna, Nahrung, deshalb wird sie manchmal auch Nahrungshülle genannt. Sie baut sich Tag für Tag aus dem auf, was wir essen.
Der physische Körper besteht aus Haut, Fleisch, Fett und Knochen. Er gilt als Tempel, der alle feineren Körper beherbergt. Er ist unsere greifbare Gegenwart auf der Erde, der Ort, an dem menschliches Dasein erfahren wird. Er ist auch die Schicht, die unsere Kleidung zuerst berührt: Weiche, atmungsaktive Naturfasern lassen die Haut atmen und den Körper in der Meditation vergessen.

Pranamaya Kosha: die Hülle der Lebensenergie
Auf Sanskrit bedeutet prana Lebenskraft, und es ist auch ein Wort für Atem. Pranamaya Kosha ist die zweite Schicht, die Hülle der Lebensenergie.
Dieser pranische Körper wird ständig durch den Atem genährt. Ist er stark, spüren wir die Energie, das umzusetzen, was uns wichtig ist, und ein Gefühl von Lebendigkeit. Atemübungen sind der direkteste Weg, mit ihm zu arbeiten: Beginne mit unseren fünf einfachen Pranayama-Prinzipien und entdecke dann sechs Pranayama-Techniken oder den Feueratem.
Manomaya Kosha: die mentale Hülle
Manomaya Kosha steht für den Geist, die Gefühle und die innere Welt: den Strom von Wahrnehmungen, Gedanken und Empfindungen, der den ganzen Tag durch uns fliesst. Im Kundalini Yoga, wie Yogi Bhajan es lehrte, wird die Aura, das leuchtende Feld um den physischen Körper, als Schutzschirm beschrieben. Eine starke Aura soll uns und den Menschen um uns ein Gefühl von Geborgenheit geben.
Vijnanamaya Kosha: die Hülle der Weisheit
Vijnanamaya Kosha, auch Hülle des Bewusstseins oder der Unterscheidungskraft genannt, lässt ein tieferes Bewusstsein wachsen: den inneren Zeugen, der Gedanken und Gefühle beobachten kann, ohne von ihnen fortgerissen zu werden.
Sie bewahrt die Erinnerung an unsere Erfahrungen, in Bildern und den damit verbundenen Gefühlen. Diese Gefühle, verknüpft mit guten oder schlechten Erfahrungen und mit geistiger Aktivität, tragen zu unserem Selbstbewusstsein bei. Auch unsere Werte und Bedürfnisse wurzeln hier.
Im Kundalini Yoga wird der Geist, unsere «Denkmaschine», mit drei Hauptfunktionen beschrieben:
- Der negative oder schützende Geist gibt Form, sortiert das Wesentliche und sucht nach dem, was schiefgehen könnte.
- Der positive oder expansive Geist lässt uns Möglichkeiten sehen und unsere Ressourcen nutzen. Er stützt einen starken Willen und gibt die Kraft, unsere Projekte umzusetzen.
- Der neutrale oder meditative Geist wägt die Informationen der beiden anderen ab und dient als Wegweiser im Leben. Intuitiv und frei von Vorurteilen verbindet er uns mit der Seele.
Anandamaya Kosha: der Körper der Glückseligkeit
Auf Sanskrit bedeutet ananda Glückseligkeit, daher der Name Anandamaya Kosha. Es ist die innerste Schicht, der Körper der Glückseligkeit. Sie liegt unter allen Illusionen der äusseren Hüllen und lässt sich in Momenten tiefer Stille erahnen, am Ende einer Meditation oder in der Stille nach einer langen Ausatmung.

Zum Schluss
Die Koshas stammen aus den Upanishaden, einer vedantischen Quelle, und nicht aus den Yoga Sutras von Patanjali oder den klassischen Hatha-Yoga-Texten. Später wurden sie vom Vedanta und vom modernen Yoga aufgegriffen, wo sie heute sehr verbreitet sind.
Es gibt andere Ansätze zum yogischen Körper, ältere oder einfach andere, und wir werden dir sicher in weiteren Artikeln davon erzählen. Uns schien es wichtig, mit dieser weit verbreiteten Sichtweise zu beginnen, bevor wir andere erkunden. Um die Koshas in die grössere Geschichte einzuordnen, lies unsere kurze Geschichte des Yoga.
Um dich selbst besser zu verstehen, erforsche die Koshas und lerne, dir deines Körpers, deines Atems und deiner Gedanken bewusst zu werden.
Häufige Fragen
Was sind die fünf Koshas im Yoga?
Annamaya (der physische Körper, aus Nahrung), Pranamaya (Lebensenergie und Atem), Manomaya (Geist und Gefühle), Vijnanamaya (Weisheit und Unterscheidungskraft) und Anandamaya (Glückseligkeit). Sie werden als fünf Hüllen um den Atman, das wahre Selbst, beschrieben.
Woher kommen die Koshas?
Aus der Taittiriya Upanishad, einem alten indischen philosophischen Text. Das Modell wurde später vom Vedanta weiterentwickelt und ist heute im modernen Yogaunterricht weit verbreitet.
Wie kann ich die Koshas in meiner eigenen Übung spüren?
Geh von aussen nach innen. Spüre den Körper in einer Haltung (Annamaya), dann den Atem (Pranamaya), beobachte dann Gedanken und Gefühle (Manomaya), dann die Instanz, die sie beobachtet (Vijnanamaya). Ruhe in der Stille, die bleibt (Anandamaya). Fünf Minuten genügen für den Anfang.
Fünf Schichten. Ein einziger Atem geht durch sie alle.

